Beobachtungen und Erfahrungen von PON-Besitzern

Dies wird ein komplexes Thema... und ich werde es in verschiedene Rubriken zusammenzufassen. Es sei angemerkt - es trifft nicht auf jeden PON zu.

Was ist das typische PON - Verhalten ?

Natürlich die Bellfreudigkeit, aber dies nicht aus Sinnlosigkeit, sondern:


„Bellen ist ein Ausdruck der Kommunikation sowie ein Ausdruck von Gefühlen“.


 Warum wollen wir nicht dass unsere Hunde bellen?

  • z.Bsp.: Angst vor Nachbarn oder der Gesellschaft.

Dabei gibt es unterschiedliches bellen:

  • Aufregung/Stress
  • Aufmerksamkeit/Bewachen/Warnen
  • Drohen/Einschüchterungen
  • wenn jemand das Grundstück / Haus betritt oder an der Tür klingelt
  • bei Begrüßung ( von Besuchern, Familienmitgliedern)
  • Spielaufforderungen
  • in Aufbruchstimmung ( zum Spaziergang, Hundeplatz, spielen zwischen Hund und Mensch)
  • Angst / Einsamkeit oder Unterforderung

Ein Beispiel: Im Hundesport (wie Agility oder Treibball), da gibt es PONs die lautlos arbeiten, aber wiederum auch PONs die ohne Unterbrechung kläffen, bedingt durch den hervorgerufenen Trieb oder durch die Unstimmigkeit zwischen dem Hundeführer und dem Hund.

Wie bereits erwähnt, sind PONs sehr wachsam, vom leisen „Wuffen“ bis hin zum lautstarken Alarmgebell melden manche PONs schon die kleinsten Geräusche. Dieses Territorialverhalten kann sich natürlich auch auf die Bereiche außerhalb des Wohnraums beziehen, wie z.B. im Auto, auf Spielwiesen, Hundeplatz etc.

Stimmliche Darbietungen sind auch zu erwarten, wenn jemand ihrem Menschen oder dem Rudel zu nahe kommt. Einige PONs dulden eine Annäherung bis auf ein paar Zentimeter, andere dagegen vielleicht nur auf einige Meter.

Der PON benutzte seine Stimme um an den Schafen zu arbeiten oder den Hof zu bewachen. Das ist mit der Entstehungsgeschichte dieser Rasse verknüpft. Es macht keinen Sinn ihm das Bellen abgewöhnen zu wollen. Loben sie ihn nach seiner Lautäußerung und fordern sie ihn auf das Bellen einzustellen. Es funktioniert, wenn Sie konsequent sind. Wenn es an der Tür klingelt, lassen sie ihn bellen (hüten, wachen) er will bewachen, loben sie ihn und weisen sie ihm einen Platz zu, ab jetzt übernehmen sie. Auch dies wird klappen, wenn Sie konsequent sind. Aber denken Sie daran, es macht keinen Sinn, einem unterforderten Hund das Bellen abzugewöhnen, der gerne Action möchte und dessen Besitzer nach 10 Minuten fragt „Ja, was hast du denn? Ja, was willst du denn?" - und dann endlich den langersehnten Ball wirft. Aus PON-Sicht lohnt sich dann jedes „Gekläffe“.

Nicht jeder PON ist ein „Kläffer“ aber diese Rasse hat nun einmal die genetische Veranlagung häufiger anzuschlagen. Die Häufigkeit ist aber von einigen Faktoren abhängig:

  • Persönlichkeit des Hundes (Nervöser oder eher ruhiger Typ)
  • körperliche und geistige Auslastung des Hundes
  • Anzahl der Hunde in ihrem Haushalt (Rudel)
  • Persönlichkeit des Menschen (Stimmungsübertragung)
  • und natürlich die Erziehung.

Wer sich einen PON anschaffen möchte, sollte in jedem Fall vorher gründlich seine Wohnsituation und das Verhältnis zu seinen Nachbarn überdenken.

Man kann es, wie gesagt, nicht abgewöhnen, aber man kann es kontrollieren - das klappt selten mit Gegengeschrei , denn das könnte ihn sogar anfeuern, also sozusagen „mitbellen“ und die erwünschte Aufmerksamkeit seines Verhalten wird bestätigt/belohnt. Bestätigen sie ihn nicht mit Leckerlis wenn er kurzzeitig ruhig ist, denn auch dies könnte hin bis zur Tyrannei gehen, fast Erpressung, der Hund bellt um etwas zu bekommen, bekommt er es nicht, hört er nicht auf.

Ist es „PON-Typisch"? Nein, aber es gibt viele PONs die so sind!!

Wahr ist, das PONs sehr wachsam sind (und sein sollen), das sie sich sehr oft an einzelne Personen binden und Fremden gegenüber eher distanziert sind. In ihrer ursprünglichen Funktion als Hüte- und Treibhund hat es Sinn gemacht, ist aber in der heutigen Haltungsform nicht mehr unbedingt wünschenswert. Als Familienbegleithund in unserem Alltag in Städten, Einkaufszentren, überfüllten Hundeplätzen und überall dort, wo Menschen in sämtlichen Erscheinungsformen wie Jogger, Radfahrer, Nordic Walker, Inlineskater etc. auftreten, sind Hunde mit großer Wachsamkeit und ihrem Beschützerinstinkt total überfordert. Ein Spaziergang darf für Mensch und Tier nicht in Stress ausarten! Hier empfiehlt es sich über eine andere Rasse als Familienhund nachzudenken.

Die Kehrseite der Medaille:

Auszug aus einer Email, die ich erhalten habe:

Die meisten Familien und Hundehalter sind damit einfach überfordert. Angna entspricht in fast allem dem was ich mir von einem PON wünsch(t)e, inklusive ihres starken Schutztriebes. Sie ist deshalb auch meine Prinzessin. Das Einzige was nicht so toll ist, sie findet andere Hunde nicht so prickelnd. Bzw. viele andere Hunde können mit Angnas derber Begrüßungsattacke nichts anfangen und fühlen sich davon bedroht. Bei Begegnungen mit anderen Hunden ist sie wirklich super rüpelig, laut, frech und mächtig provozierend. So, als ob sie den anderen Hund testen wollte ob er ihr Stand hält.

PONs haben eine genetisch bedingte erhöhte Erregungslage, denn sie sollen wachsam und reaktionsschnell sein, auffällige Vorkommnisse melden und eine gewisse Eigenständigkeit haben. Die Bewertung darüber was für einen PON oder was für einen Menschen wichtig (und richtig) ist dürfte häufig uneinheitlich sein… So kann es denn sein, dass ein PON dem vermeintlichen Feind entgegen rennt und seiner Empörung gerne lautstark Nachdruck verleiht. Wer einen PON schon als Welpen zu älteren Hunden bekommt, erlebt vermutlich häufig das der Jüngste im Rudel „etwas komisches“ meldet  und sich dann umschaut, wie „die Großen“ sich dazu verhalten. Mit Verstärkung im Rücken kann sich der kleine PON in Selbstüberschätzung und Größenwahn üben und auch mal da vorne „Bescheid sagen“. Dabei gibt es für ihn immer etwas zu lernen. Vielleicht verschwindet der „Feind“ gleich wieder weil der kleine PON so mutig war, vielleicht schimpft der Mensch ganz furchtbar, dann muss diese Art von Feind beim nächsten Mal noch früher und noch lauter gemeldet werden.

(Hunde riechen und hören so gut, dass sie Feinde sehr früh erkennen können. Dabei entfernen Hunde fast nie die Augen, von dem was sie anbellen )

Auch dies ist eine So-kann-es-vorkommen-Situation. Es gibt PONs die es unverschämt und beängstigend finden, wenn sich ihnen jemand in schneller und bedrohlicher Art nähern, andere interessiert das nicht.

Aber je nachdem, wie Begegnungen in früher Zeit verlaufen, ergeben sich in Kombination mit ihrer schnellen Lernfähigkeit Verknüpfungen, die dazu führen können, das PONs eher mal kläffend auf ein Gegenüber zulaufen und keinen Bogen drum herum machen. Im Allgemeinen bleibt es beim Verbellen.

Natürlich gilt grundsätzlich, man kann eine Menge dagegen tun - je früher desto besser! Man sollte sich mit diesem „Problem“ beschäftigen denn es geht um den Hund und den Abbau von Stress und Anspannung!

Ist es „PON-Typisch"? Nein, aber es gibt viele PONs die so sind!!

Wichtig für Welpen-Käufer:

Wer einen Pon als Welpe vom Züchter kaufen möchte, sollte sich selbstverständlich nicht bei einem Massen“Züchter“ umschauen. Auch wenn man auf Internetseiten lesen kann, wie gesund und toll diese Hunde sein sollen, welche Ausstellungserfolge erzielt wurden... Wer ein halbes Dutzend Würfe pro Jahr zulässt (!) kann nicht das Wohl einer Rasse bzw. des Muttertiers im Auge haben oder für eine optimale Welpenaufzucht garantieren!

Demnächst:

  • Aufzucht/Welpenerziehung/Junghund/Pubertät
  • Möglichkeiten für erwachsene Problemhunde
  • Die klassische Gegenkonditionierung und Desensibilisierung

bis dahin:

Sabine Holdorf-Spielberg


Ich habe bereits ein Handvoll Reaktionen zu diesem Artikel bekommen, eine Auswahl davon werde ich hier veröffentlichen:

Erster Leserkommentar zum Bericht Psyche des Pon II:

Der Kommentar bezieht sich auf folgende Passage:

„Die Bewertung darüber was für einen Pon oder was für einen Menschen wichtig (und richtig) ist dürfte häufig uneinheitlich sein … So kann es denn sein das ein Pon dem vermeintlichen Feind entgegen rennt und seiner Empörung gerne lautstark Nachdruck verleiht.“

Er hat mir nämlich etwas verdeutlicht. Ich bin ja eigentlich mit dem Verhalten meiner Hunde sehr zufrieden. Ich erwarte z.B. nicht, dass sie mit anderen Hunden gleich gut Freund sind. Aber ich habe oft ein schlechtes Gewissen wegen meinen Mitmenschen. Die heutzutage leider der Meinung sind, dass Hunde so nett und brav sein müssen wie Steiftiere. Aber zu meinem eigenen Schutz habe ich Pons gewählt (und keine Steiftiere). Eine Rasse die dem deutschen Schäferhund an Charaktereigenschaften am nächsten kommt. Aber dabei nicht so Furchteinflößend aussieht wie der DSH.

Ich befinde mich nun gegenüber anderen Hundebesitzern und Menschen in einem ständigen Zwiespalt. Eben weil meine Hunde nicht so sind wie man es heute von Hunden erwartet. Dass die Allgemeinheit tatsächlich heute Hunde für lebende Plüschtiere hält, bestätigt mir immer wieder das Verhalten von Passanten wenn ich mit meinen süßen Mädels unterwegs bin. Z.B. werden sie unvermittelt von Menschen angesprochen. Einmal hat sich im Kaffee, die Hunde lagen unterm Tisch und Aisha war die Vorderste, eine Frau im Vorbeigehen hinunter gebeugt, um Winnie zu streicheln. Die war damals erst 7 Monate alt, also zum Fressen süß. Aber sie hat sich nicht so verhalten sondern sofort gekeift und nach der Frau geschnappt.

Und ehrlich, ich war nicht mal sauer deswegen. Denn ich käme nie auf die Idee, mich unvermittelt zu einem (mir unbekannten) unterm Tisch liegenden Hund hinab zu beugen. Aber so sind die Leute heute. Das war früher anders. Da haben die Menschen mehr Achtung vor der eventuellen Gefährlichkeit von Hunden gehabt und nicht jeden streicheln wollen.


 Zweiter Leserkommentar zum Bericht Psyche des Pon II:

Hallo Sabine, Du hast die verschiedenen Charaktereigenschaften eines Pons sehr gut beschrieben. Meine zwei Pons sind in ihrem Wesen total verschieden. Ginny ist die Ruhige und Sanfte, Kinder liebt sie über alles. Gebellt hat sie nicht einmal wenn es an der Haustür geläutet hat. Nur auf dem Übungsplatz hat Ginny eher gewinselt (geweint), wenn sie nach dem Training und nach dem gemeinsamen Herumtoben angeleint wurde, ich durfte sie dann zu mir ins Clubhaus nehmen. Nun ist das nicht mehr so, sie wartet ganz lieb mit ihren Hundefreunden bis ich sie hole. Ginny macht uns grosse Freude, wir möchten sie niemals mehr missen.

Punta ist eine ganz andere Vertreterin ihrer Rasse. Sie sprüht voll Temperament. Punta bellt wenn es an der Haustür klingelt. Ginny macht es selbstverständlich nach, hört aber eher wieder auf. Mache ich mich zum Gassi gehen fertig, geht es der Kleinen nicht schnell genug, sie ist total aufgeregt, zupft an den Kleidern die Schuhe trägt sie herum. Punta möchte immer an erster Stelle sein, drängt sich dazwischen, wenn wir Ginny streicheln, oder wenn's ums Guetzeli geben geht. Ist unsere Kleine unter uns sehr lebhaft, herzig und süss, ist sie den anderen Familien Mitgliedern gegenüber sehr distanziert, versteckt sich unter der Eckbank.

Heute geht Ginny fast auf jeden fremden Menschen fröhlich zu. Ich bin sehr gespannt wie sich Punta diesbezüglich entwickelt.

Liebe Grüsse, Heidi

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